Er wirkt nach außen hin so ruhig, dass man kaum meinen möchte, viel Energie in Peter Baldissera steckt. Der ehemalige Busfahrer aus Aldein ist seit eineinhalb Jahren Sozialdiener beim Weißen Kreuz und will noch lange weitermachen.
LIVE: Peter, du hast zuhause einen kleinen Hof, bist bei der Feuerwehr und jetzt auch als Sozialdiener im Krankentransport tätig. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Peter Baldissera: Es ist eine Sache der Einteilung. Als Sozialdiener leiste ich 15 Stunden wöchentlich. Dafür nehme ich mir die Zeit. Ich arbeite einfach gern beim Weißen Kreuz mit und freue mich jedes Mal auf den Dienst. Es ist interessant und eine gute Abwechslung zum sonstigen Alltag.
Sicher, auch auf dem Hof gibt es immer etwas zu tun und bei der Feuerwehr ebenso. Aber ich bin ja jetzt in Pension und kann meine Termine gut abstimmen.
LIVE: Wie bist du als eingefleischter Feuerwehrmann zum Weißen Kreuz gekommen?
Peter Baldissera: Das hat sich fast zufällig ergeben. Ich kannte das Weiße Kreuz vorher nicht so genau. Aber nach der Pensionierung hatte ich Lust, wieder etwas Neues auszuprobieren. So habe ich über die Feuerwehr die Ausbildung zum First Responder gemacht und bin dann recht schnell in den Freiwilligendienst beim Weißen Kreuz eingestiegen. Das macht einfach Sinn. Wenn alle, die sich in diesem Bereich einsetzen, dafür bezahlt werden müssten, könnten der Rettungsdienst und die Krankentransporte wahrscheinlich nicht so gut funktionieren wie jetzt. Deshalb will ich auch meinen Beitrag leisten.
LIVE: Wie bist du in der Sektion aufgenommen worden?
Peter Baldissera: Es war von Anfang an sehr herzlich. Deutschnofen ist eine kleine Sektion, da lernt man sich schnell kennen. Aber auch außerhalb geht es recht familiär zu. Im Krankentransport lernt man Leute aus verschiedenen Sektionen kennen – auch viele junge Leute, die den Zivildienst beim Weißen Kreuz machen und wirklich sehr engagiert sind. Wenn wir auf Patienten warten, die behandelt werden, treffen wir oft aufeinander. Als Weiß-Kreuzler haben wir jede Menge Gesprächsstoff, egal ob einer älter oder jünger ist. Man spürt, dass man Teil eines Ganzen ist, einer Gemeinschaft, die aufeinander schaut.
LIVE: Als Sozialdiener hast du dich für den Krankentransport entschieden. Warum?
Peter Baldissera: Als ehemaliger Busfahrer hat sich das angeboten – den richtigen Führerschein dazu hatte ich ja schon. Und doch ist es ganz anders, wenn man Patienten begleitet und sie nicht nur im Bus kutschiert.
LIVE: Inwiefern?
Peter Baldissera: Es ist persönlicher und ich bin näher an den Menschen dran. Ich versuche, alle so zu nehmen, wie sie sind. und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Denn die einen wollen plaudern, andere lieber ihre Ruhe haben. Nach Behandlungen sind manche sehr erschöpft und ich versuche, ihnen die Fahrt so angenehm wie möglich machen. Manchmal ergeben sich auch sehr persönliche Gespräche. Da merkt man, dass sie sich mitteilen möchten. Dann ist es wichtig, einfach zuzuhören.
LIVE: Gibt es Erlebnisse, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Peter Baldissera: Da gibt es mehrere. Einmal hatte ich einen ehemaligen Arbeitskollegen an Bord, den ich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir haben uns gegenseitig sofort wiedererkannt und haben uns dann auch noch kurz zusammengesetzt.
Beeindruckend war auch der Einsatz als First Responder bei einer Geburt. Da war ich schon sehr nervös. Zum Glück war eine der anderen Freiwilligen Ärztin und hatte alles im Griff. Denn das Baby hatte es wirklich sehr eilig. Es hat schon geschrien, bevor der Rettungswagen da war.
LIVE: Was sagst du, wenn dich andere fragen, ob das auch etwas für sie wäre?
Peter Baldissera: Dann sage ich einfach: Mir passt’s richtig guat! Es interessieren sich viele für den Sozialdienst, aber einige schrecken vor der Ausbildung zurück, haben Angst, dass sie das nicht schaffen. Ich rate allen, es einfach zu versuchen. Denn ausgelernt hat man nie, egal wie alt man ist. Ich bin heute sehr froh über die Ausbildung. Ich lerne immer gern etwas dazu und habe mich sehr auf den Kurs gefreut. Und im Nachhinein kann ich sagen, dass es auch fürs Privatleben viel gebracht hat.
LIVE: Geht’s für dich auch nach dem Sozialdienst weiter?
Peter Baldissera: Auf jeden Fall! Ich möchte diesen Dienst nicht mehr missen. Ich habe noch gar einige Jahre, in denen ich mich nützlich machen kann. Solange ich gesund bin, bleibe ich beim Weißen Kreuz.
Sei auch du dabei!
Die Anmeldungen sind noch bis 31. Jänner offen!
Motivierte Menschen ab 28 Jahren können sich für den Sozialdienst melden. Sie sind dann hauptsächlich im Krankentransport in einer der 32 Sektionen aktiv.
Alle Infos zum Sozialdienst und zur Anmeldung unter
Tel. 0471 444 382
zivildienst@wk-cb.bz.it
